Wissenschaftliche Ginkgo Anwendung

Ginkgo biloba in der rationalen Phytotherapie
heilpflanze
Die moderne medizinische Anwendung von Ginkgo biloba ist noch eine junge Wissenschaft. Im Gegensatz zur traditionellen Ginkgo Anwendung mit ihren jahrtausendealten Überlieferungen und Traditionen stützt sich die rationale Phytotherapie auf wissenschaftliche Experimente im Labor und Studien am Menschen. Die Arzneimittelfirma Dr. Willmar Schwabe hat in den 1960er Jahren den ersten Ginkgo biloba Spezialextrakt entwickelt, indem sie die Inhaltsstoffe von Ginkgo biloba Blättern genauer analysiert hat. Ginkgo biloba Samen oder Ginkgo biloba Wurzeln werden von der modernen Kräutermedizin nicht medizinisch genutzt.

Die Aussagen der modernen Kräutermedizin (der rationalen Phytotherapie) beziehen sich auch nicht auf einen Ginkgotee oder etwa ein Ginkgo Blätterpulver. Die medizinische Wirkung und Anwendung von Ginkgo biloba wurde nur für den Trockenextrakt aus Ginkgo biloba Blättern als Spezialextrakt definiert, der als pflanzliches Fertigarzneimittel in unseren Apotheken erhältlich ist. Heute gibt es zwei anerkannte Ginkgo Spezialextrakte namens EGb 761 und LI1370. In den meisten Ginkgo Tabletten aus der Apotheke ist EGb 761 enthalten.

Unabhängige Sachverständigenräte

Unabhängige Sachverständigenräte haben sich mit den medizinischen Wirkungen von Ginkgo biloba Blätter-Extrakt beschäftigt. An erster Stelle steht in Deutschland die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel. 378 Heilpflanzen hat die Kommission E in der Vergangenheit bewertet und als Monographien veröffentlicht. Für Ginkgo biloba gibt es eine positive Monographie. Die Anwendungsgebiete für Ginkgo biloba Blätter-Extrakt decken sich auch mit der Ginkgo biloba Monographie der ESCOP, dem Europäischen Dachverband für Phytotherapie.

Anwendungsgebiete laut Kommission E oder ESCOP für den Ginkgo biloba Blätter-Extrakt sind:

  1. Hirnorganische Leistungsstörungen wie Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz
  2. PAVK (Arterielle Durchblutungsstörung der Beine) bis zum Stadium ll mit einer schmerzfreien Gehstrecke von rund 200 Metern.
  3. Schwindel unterschiedlicher Ursachen
  4. Tinnitus (Ohrgeräusche)

Als pflanzliches Fertigarzneimittel unterliegen Ginkgo Präparate aus der Apotheke den strengen Richtlinien des deutschen Arzneimittelgesetzes laut § 22 AMG 76. Vor Zulassung als Arzneimittel müssen Ginkgo Präparate auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft werden.

Klinische Studien

Am besten gelingt dies in der klinischen Studie. Eine klinische Studie ist grob gesagt eine wissenschaftlichen Untersuchung an einer Gruppe von Menschen die mit einem Ginkgo Präparat behandelt werden und mit einer Gruppe von Menschen verglichen werden, die ein Präparat erhalten, in dem der Ginkgo Wirkstoff nicht enthalten ist. Man vergleicht dann vorher definierte Parameter und Behandlungserfolge in beiden Gruppen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehr als 40 klinische Studien durchgeführt, bei denen der Ginkgo Spezialextrakt an Studienteilnehmern zur Behandlung dieser und weiterer Ginkgo Anwendungsgebiete untersucht wurde. Ein Großteil dieser Studien konnte positive Behandlungsergebnisse für Ginkgo Präparate belegen, einige Studien führten aber auch zu keinen oder nicht einwandfreien Ergebnissen.

Aufgrund der klinischen Studien ergaben sich auch noch weitere mögliche Anwendungsgebiete für Ginkgo Präparate aus dem Ginkgo biloba Blätter-Extrakt:

  • Behandlung von funktionellen Herzbeschwerden (Herzangst, Herzstolpern) durch Verbesserung der Durchblutung.
  • Verbesserung der Belastbarkeit im Stress, zur Erhöhung der Konzentration und Verbesserung der Lernfähigkeit.
  • Steigerung der Leistungsfähigkeit bei gesunden Menschen, die am Bildschirm arbeiten (z.B. Büroarbeit am PC)
  • Behandlung der Makuladegeneration. Dabei baut in der Netzhaut im Auge der Punkt des schärfsten Sehens ab.
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Eventuell auch die Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), dabei sind die Beinvenen betroffen.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin