Was verbirgt sich hinter Ginkgo-Urtinktur?

Ginkgoblätter-Urtinktur (Ginkgo ø) ist ein homöopathisches Arzneimittel. Die Homöopathie als alternativmedizinische Lehre wurde um 1800 von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründet und arbeitet mit Urtinkturen vieler Einzelsubstanzen, meistens Heilpflanzen. Diese Urtinkturen sind die Ausgangsbasis für homöopathische Verdünnungen, die sogenannten Potenzen, wie Ginkgo biloba D6 oder Ginkgo biloba C30. In diesen befinden sich aus naturwissenschaftlicher Sicht im Sinne der rationalen Phytotherapie (modernen Kräutermedizin) keine Wirkstoffe mehr. Nach dem homöopathischen Gedanken sind sie aber wirkungsvolle Medikamente.

Was ist eigentlich eine Urtinktur?

Ginkgo biloba-Urtinktur ist ein alkoholischer Auszug aus frischen Ginkgoblättern. Sie enthält zwar Wirkstoffe, allerdings nur in halber Konzentration gegenüber herkömmlicher Ginkgo-Tinkturen, die in der Regel aus getrockneten Blättern hergestellt werden.

Die Homöopathie arbeitet mit Urtinkturen aus frischen Pflanzen, da diese im Sinne ihrer Lehre eine stärkere Wirkung entfalten als Tinkturen aus getrockneten Pflanzenteilen. Die Anwendungsgebiete von Ginkgo-Urtinktur entsprechen hier weitestgehend dem Gebrauch von Ginkgo-Blätter-Extrakten in der Phytotherapie, dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied: Urtinkturen finden ihre Anwendung in Bezug darauf, was in der Homöopathie unter dem Wesen einer Pflanze verstanden wird.

Ginkgo biloba in der homöopathischen Theorie

Das Wesen von Ginkgo biloba wird als Einheit von Bild und Spiegelbild, Gleichgewicht der Polaritäten beschrieben. Das Ginkgoblatt wurde schon im alten China und von Goethe als Symbol der Einheit und Zweiheit, von männlicher und weiblicher Lebenskraft verehrt. Auch die Homöopathie betrachtet das Wesen von Ginkgo biloba als Spannungsfeld zweier Pole, von Tag und Nacht, von Mann und Frau. Die Wirkung des Ginkgos auf das menschliche Gehirn ist heute gut erforscht – und interessanterweise spiegelt gerade unser Denkapparat die Symbolik des zweigeteilten Ginkgoblatts wieder: Die linke Gehirnhälfte ist für (männlich konnotiertes) analytisches Denken zuständig, die rechte für synthetisches (weiblich konnotiertes) Verstehen und Fühlen. Das Gleichgewicht der Polaritäten.

Wirkung von Ginkgo-Urtinktur in der homöopathischen Arznei

Ginkgo biloba-Urtinktur wird eine ausgleichende Wirkung auf Gehirn und Seele zugeschrieben. Nach Auffassung der Homöopathie kann sie in unserer technisierten Welt, in der vor allem analytisches Denken gefordert ist, beide Gehirnhälften im Einklang halten – „männliches“ und „weibliches“ Denken vereinen. Wer in diesem Sinne zu einseitig lebt, verliert nicht nur an Vitalität, er büßt auch allgemein an Leistungsfähigkeit ein, so die homöopathische Lehre. Dem Wesen der Pflanze entsprechend, wirkt Ginkgo biloba-Urtinktur belebend und leistungssteigernd auf das Gehirn. Denn sind wir im Gleichgewicht, ist unsere Lebenskraft am stärksten. So stark und beständig wie Ginkgo biloba.

Dosierungsempfehlung

Die übliche Dosierungsempfehlung von Ginkgo biloba-Urtinktur beträgt ein- bis dreimal täglich zwei bis fünf Tropfen, die zusammen mit ein wenig Wasser eingenommen werden.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin