Nutzpflanze Ginkgo biloba

Der Kult um den Ginkgobaum
heilpflanze

Die Zeiten als Ginkgoblätter im alten China ein wertvolles Zahlungsmittel waren sind längst vorbei. Dennoch ist uns Ginkgo biloba heute weltweit zu Diensten, als Heilpflanze sowie als Nutzpflanze. In Asien gibt es heute noch einen regelrechten Kult um den Ginkgobaum und die Fantasie kennt scheinbar keine Grenzen wenn es um die Nutzung von Ginkgo biloba geht.

Ginkgo biloba Holz

Ginkgo biloba Holz wird vor allem in Asien zum Kleinmöbelbau, für Schnitzereien und Holzskulpturen verwendet. Das Ginkgo Holz ist mittelhart, hellbraun bis hellgelb und imponiert mit feiner Musterung. In buddhistischen Tempeln werden Schnitzereien aus Ginkgoholz eingebracht. Arbeiten aus diesem Holz werden normalerweise nicht von Schädlingen wie dem Holzwurm oder Termiten gefressen, denn das Ginkgo biloba Holz ist stark gegen Schädlinge! Ginkgo hat jedoch als Holzlieferant keine größere Bedeutung erlangt, denn Ginkgo Holz ist kein Bauholz. Die Borke des Baumes wird teilweise zur Korkgewinnung verwendet.

Ginkgo biloba Samen

Ginkgo biloba Samen dienen seit alters her in China als Nahrungsmittel. Die zerstoßenen Ginkgo biloba Samen Hüllen werden als Waschmittel und Seife benützt. Als Nahrungsmittel dient der Samenkern, er enthält Stärke (63%), Eiweiß (13%), Fett (3%) und viele andere Pflanzeninhaltsstoffe.

Dieser Samenkern wird auch Ginkgonuss oder „Silbermandel“ genannt, die als fettarme Eiweißbombe beliebt im asiatischen Speiseplan und auf Hochzeitsfeiern ist. Die Ginkgonüsse werden in China und Japan roh oder meist in gerösteter Form gegessen. Ihr Geschmack ähnelt Pistazien, oder etwa gerösteten Maronen, die Konsistenz erinnert an eine Kartoffel. In Desserts, Soßen, Salaten oder auch im Sushi werden die Silbermandeln verarbeitet. In Europa erhält man Ginkgonüsse meist nur in Dosen. Im Rahmen des Kultes um den Ginkgobaum haben sich auch hierzulande Köche leckere Rezepte mit Ginkgonüssen ausgedacht wie etwa den „Weimarer Zwiebelkuchen“ mit Ginkgonüssen oder die „Weimarer Dichter- und Denker Butter“ mit Ginkgonüssen und Ginkgo Blattpulver.

Die Ginkgo biloba Samenkerne enthalten jedoch auch giftige Substanzen, allen voran das 4-Methoxypyridoxin, welches das lebenswichtige Vitamin B6 hemmt. In den Samen kommt die in hohen Dosen gesundheitsschädigende Ginkgolsäure vor. Der übermäßige Verzehr von Ginkgonüssen wirkt abführend und kann vor allem für Kinder hochgiftig sein! Erwachsene sollten nicht mehr als 6 bis 10 Gramm der Samenkerne pro Tag verzehren. Die traditionelle chinesische Medizin wendet die Samenkerne als Heilmittel an.

Da die Samen stark gerbesäurehaltig ist, findet der Ginkgo biloba Samen ferner zum Gerben von Leder Verwendung. Auch als Samenlieferant zur Anzucht neuer Ginkgobäume benötigt man die Ginkgo biloba Samen.

Der ganze Ginkgobaum

Der ganze Ginkgobaum wird wegen seiner unverwechselbaren zweilappigen Blattform gern als Zierbaum genutzt. Seit einem Jahrtausend ist er in China und Japan Tempelbaum – als Zierde und zum Schutz vor Feuer und Unheil wird er neben Tempelanlagen gepflanzt. Zum Feuerschutz wird der Ginkgobaum im modernen Asien auch neben Wohnanlagen gepflanzt, da seine Borke sehr hitzebeständig ist.

Das Interesse an Ginkgo als Zierbaum für Alleen und Parkanlagen hat sich seit dem 18. Jahrhundert in Europa entwickelt. Erst waren es Adelige, die dieses extravagante Hobby pflegten. So wurden Ginkgobäume in Orangerien von Schlössern wie Belvedere in Weimar oder in Parkanlagen wie Wilhelmshöhe in Kassel gepflanzt. Der Ginkgo ist über das berühmte Gedicht „Ginkgo biloba“ aus Goethes Feder eng mit dem Dichter verbunden. So wurde der Ginkgobaum zudem in Goethe-Städten wie Frankfurt, Karlsruhe und Heidelberg gepflanzt, in denen sich Goethe während seiner Rheinreisen aufhielt.

Mittlerweile hat sich der Ginkgobaum aufgrund seiner Resistenz gegen Schädlinge weltweit als Stadtbaum durchgesetzt. Er wird in Parkanlagen und als Alleenbaum eingesetzt, wobei man in Europa männliche Bäume den weiblichen Bäumen vorzieht. Denn die Samen weiblicher Bäume zersetzen sich nach dem Fall auf den Boden. Ihnen entströmt ein übler Geruch nach ranziger Butter, da die Außenschicht der Samen Buttersäure enthält.

Ginkgobäume schmücken die Straßen vieler europäischer, amerikanischer und asiatischer Städte. Dafür wurden spezielle Ginkgos biloba Zuchtsorten kultiviert, wie etwa „Laciniata“ mit fedrigen, gekräuselten Blatträndern oder „Aurea“, eine Zuchtsorte die den Spaziergänger vom Frühjahr bis in den Herbst mit goldgelben Blättern besticht.

Ginkgo biloba Blätter

wurden im alten China aufgrund ihrer Inhaltsstoffe zur Insektenabwehr zwischen Buchseiten gelegt und so als Lesezeichen verwendet. Die größte Bedeutung und den größten Nutzen hat Ginkgo jedoch als Heilpflanze erlangt. Der Ginkgo biloba Blätterextrakt wird heute zu vielfältigen medizinischen Zwecken hergestellt. Auch die Kosmetikindustrie hat sich den Ginkgobaum zu Nutzen gemacht. Aus Ginkgo biloba werden heute Cremes und Salben für straffere Haut und gegen Hautalterung und Shampoos für glänzendes Haar hergestellt. Diese Kosmetikprodukte sollen laut Werbung Haut und Haar vitalisieren und kräftigen, die Durchblutung fördern und den Feuchtigkeitsgehalt der Haut regulieren.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin