Heilpflanze Ginkgo biloba

Vom Handbuch der Barfußmedizin zum Nobelpreis für Chemie
heilpflanze
In China kennt man Ginkgo biloba als Naturheilmittel seit mehr als 4000 Jahren. Erstmals fand die Heilpflanze Ginkgo biloba Erwähnung im „Handbuch der Barfußmedizin, das 2800 Jahre v. Chr. geschrieben wurde. Damals wurden Baumrinde, Blätter und Samen von Ginkgo biloba als Heilmittel angewandt. Mit Ginkgo Zweigen stach man Abszesse auf. Man setzt Ginkgo biloba Blätter zur Wundbehandlung und eine Abkochung der Ginkgobaum Rinde zur Abheilung von Schwellungen ein.

Die Chinesische Volksmedizin nutzte hauptsächlich die Blätter von Ginkgo biloba als Wundpflaster und für Heiltees bei vielfältigen Leiden. Buddhistische Mönche kauten die Ginkgo biloba Blätter um sich im Alter geistig fit zu halten. Die Traditionelle Chinesische Medizin nutzte die Samenkerne und Wurzeln von Ginkgo biloba zur Verdauungsförderung, bei Asthma, Husten, Tuberkulose, Blasenentzündungen, Alkoholmissbrauch oder nächtlichem Samenerguss. Seit Einführung des Ginkgo in Japan im 11. Jahrhundert nutze man ihn auch dort als beliebtes Naturheilmittel.

Ginkgo biloba wurde zwar von einem deutschen Arzt namens Engelbert Kaempfer schon Ende des 17. Jahrhunderts in Japan entdeckt, dieser beschrieb den Ginkgobaum jedoch hauptsächlich botanisch. In seinem Werk „Amoenitatum exotica“ hat er nur kurz die verdauungsfördernde Wirkung der Ginkgo biloba Samen erwähnt.

Erst 200 Jahre

Erst 200 Jahre nach Etablierung von Ginkgo biloba als Allen- und Parkbaum in Europa erkannte man auch hierzulande seine medizinische Wirkung. Denn 1946 erregte ein Ginkgobaum besondere Aufmerksamkeit. Der Ginkgobaum bewies seine Überlebenskraft nach der Atombombenexplosion in Hiroshima, wo er im Frühjahr nach der Katastrophe aus einem verkohlten Baumstumpf neu austrieb. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das „Handbuch der Barfußmedizin“ vom Chinesischen ins Englische übersetzt. Diese beiden Ereignisse brachte die Medizinforschung auf den Plan. Die Arzneimittelfirma Dr. Willmar Schwabe war es, die um 1960 begann Trockenextrakte von Ginkgo biloba Blättern zu erforschen. Durch bahnbrechende Forschungen entstand der Ginkgo biloba Extrakt. Der erste Ginkgo Spezialextrakt wurde 1965 in Deutschland registriert. Die zwei anerkannten Ginkgo biloba Spezialextrakte heißen EGb 761 und LI 1370.

Ginkgo biloba Anwendungsgebiete

Man hatte vor allem die Wirksamkeit vom Ginkgo biloba Blätter Extrakt bei Durchblutungsstörungen im Gehirn erforscht. Langsam bekam der Ginkgo biloba Extrakt Bedeutung bei Leistungsstörungen die durch Demenz, also einem altersbedingten Abbau im Gehirn verursacht wurde. Weitere Ginkgo biloba Anwendungsgebiete sind Durchblutungsstörungen der Beine wie „Raucherbein“ oder „Schaufensterkrankheit (pAVK).

Ginkgo biloba Extrakt kann nach neueren Forschungen auch bei Gesunden zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und der Gedächtnisleistung hilfreich sein. Ginkgo biloba zum Lernen etabliert sich als neues Anwendungsgebiet. Weitere Ginkgo biloba Anwendungsgebiete sind Schwinde und Tinnitus, möglicherweise auch Venenleiden und Migräne.  An Studien zum Ginkgo biloba Extrakt haben sich viele Forscher beteiligt. 1990 erhielt E.J. Corey für seine Forschungen zum Ginkgo biloba Spezialextrakt sogar den Nobelpreis für Chemie.

Ginkgo biloba Extrakt ist als pflanzliches Arzneimittel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Dreißig Prozent der auf dem Markt verkauften hirnleistungssteigernden (nootropen) Medikamente sind heute Ginkgo biloba Spezialextrakte. Ginkgo biloba eroberte nicht nur die rationale, wissenschaftliche Phytotherapie sondern auch den Markt der Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika.

„Powerriegel“ aus Ginkgo biloba werden in den USA zur Verbesserung des Intelligenzquotienten verkauft. Ginkgo biloba ist auch in Europa ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel und Antioxidans. Doch man sollte diesen Markt kritisch beäugen, denn anders als der Ginkgo biloba Spezialextrakt können Ginkgoprodukte aus Blättern oder Samen starke Nebenwirkungen haben und wirken zudem unkontrolliert. Denn Ginkgolsäure aus den Blättern und 4-Methoxypyridoxin aus den Samenkernen sind giftig und nicht zum Verzehr geeignet. Diese Inhaltsstoffe sind im Ginkgo Blätter Spezialextrakt nicht enthalten. Der Ginkgo Markt ist jedoch nicht zu bremsen. Viele Anbieter empfehlen die Selberherstellung von Ginkgo-Tees oder Ginkgo Tinkturen. Die Kosmetikindustrie wirbt für Ginkgoprodukte wie Cremes und Shampoos gegen Hautalterung und für glänzendes, vitales Haar.

Im heutigen China und Japan ist Ginkgo als Heilmittel ebenfalls fest etabliert. Man findet Ginkgoprodukte wie Tees, Dragees und Tinkturen überall auf dem Lande und in Supermärkten großer Städte wie Shanghai, Peking und Tokyo zu kaufen.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin