Woher stammt der Ginkgobaum?

Ginkgo – das „lebende Fossil“
Ginkgo biloba entstammt einer eigenen Ordnung, den Ginkgopsida, die mit vielen Vertretern aus 20 Gattungen im Mesozoikum, dem Erdmittelalter wuchsen. Jede dieser Gattung muss in diesen Urzeiten 50-60 Arten umfasst haben! Das Erdmittelalter erstreckt sich von 250 Millionen Jahren bis vor 60 Millionen Jahren. Es unterteilt sich in Trias, Jura und Kreide, wobei Kreide die zeitgeschichtlich jüngste Periode darstellt. Danach schloss sich das wärmere Tertiär an, welches in die Eiszeit mündete.
heilpflanze

Dinosaurier, Riesenfarne und Ginkgo Gewächse

Dinosaurier, Riesenfarne und Ginkgo Gewächse dominierten das Mesozoikum. Die Dinosaurier starben aus, nur Vögel überlebten und kleinere Reptilien, dessen größter Vertreter heute das Krokodil ist.  Auch die vielfältigen Ginkgo-Gattungen starben alle aus, bis auf Ginkgo biloba, der von Charles Darwin (1809 bis 1882) deshalb „lebendes Fossil“ getauft wurde.

Aus allen Erdzeitaltern gibt es zahlreiche fossile Pflanzenfunde, Versteinerungen von Teilen der Pflanzen wie Blätter, Äste, Holz oder Früchten. Diese Versteinerungen werden von besonderen Wissenschaftlern, den Paläobotanikern untersucht. Versteinerungen sind manchmal die einzigen Überreste von Pflanzen aus längst vergangenen Erdzeitaltern. 1828 beschrieb der französische Forscher Bongniart das erste entdeckte fossile Ginkgoblatt ohne jedoch um das hohe Alter des Fundes zu wissen. 1876 kam man bei einem Ginkgo-Fund aus Spitzbergen aus dem Jura dem Ginkgo auf die Schliche und stellte mit Erstaunen sein hohes Alter fest. Funde von Ginkgo-Arten gab es bis in das Tertiär auf allen Kontinenten. Erst in der darauffolgenden Eiszeit zog sich Ginkgo langsam nach Asien zurück und sein Gebiet „schrumpfte“. Im Ginkgo Museum von Weimar gibt es einige interessante fossile Ginkgo-Funde aus aller Welt und vielen Erdzeitaltern – dem Ginkgo wird deshalb auch der Titel „Wanderer zwischen den Zeiten“ verliehen.

Fossilien von Ginkgo Gattungen

Fossilien von Ginkgo Gattungen – meist von den Blättern – waren also schon länger bekannt. Die ältesten Ginkgoblätter sind stark zerteilt, weshalb sie früher fälschlicherweise den Farnen zugeordnet wurden. Die Urgattung aller Ginkgos ist die ausgestorbene Gattung Sphenobaiera. Die Gattung Baiera kam vom Perm bis zur unteren Kreide vor, die Gattung Ginkgoites vom Rhät bis zum Tertiär. Diese Gattung wies schon eine wesentlich schwächere Zergliederung der Blätter auf. Die Blätter des fossilen, nach dem Jungteritär ausgestorbenen Ginkgo adiantoides ähneln denen von Ginkgo biloba am stärksten. Unser heutiger Ginkgo biloba ist nur noch zweilappig (bi-loba). An diesen fossilen Funden konnten Wissenschaftler die Entwicklung eines Blattes verfolgen, auch wenn Ginkgo biloba noch kein echter Laubbaum war, sondern eine Stellung zwischen Nadelbaum und Laubbaum einnimmt, und definitiv kein Farn ist, also keine Sporenpflanze sondern eine Samenpflanze.

Wesentliche Unterschiede der fossilen Funde gegenüber dem lebenden Ginkgo biloba liegen außerdem in den Pollensäcken und der Anzahl der daraus entstehenden Ginkgofrüchte. Die meisten fossilen Ginkgo Funde haben viele Pollensäcke je Staubblatt, und es entstehen viele Samen. Bei Ginkgo biloba trägt jedes Staubblatt nur zwei Pollensäcke woraus meist nur eine Frucht entsteht.

Ginkgogewächse traten erstmals im Unteren Perm auf und damit sogar schon kurz vor Beginn des Mesozoikums, vor 280 Millionen Jahren. Bis zur Unteren Kreide hatten die Ginkgogewächse viele Vertreter, erst dann wichen sie langsam vor anderen aufkommenden Pflanzengattungen zurück. Ginkgo biloba als einziger lebender Vertreter der Gattung Ginkgo ist mindestens 60 Millionen Jahre alt und hilft den Paläobotanikern die fossilen Ginkgo Funde besser zu deuten. So können wir verstehen woher der Ginkgobaum stammt und was für eine bedeutende Stellung er in der Evolution unserer gesamten Pflanzenwelt einnimmt.

Der Paläobotaniker Sir Alter C. Seward bezeichnete den Ginkgobaum deshalb als „Weltenbaum, der die Geheimnisse einer unermesslichen Vergangenheit bewahrt.“ Heute weiß man dass der Ginkgobaum der älteste Baum der Zeitgeschichte ist. 

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin