Ginkgo biloba Inhaltsstoffe

Einzigartig im Pflanzenreich – Ginkgolide und Bilabolid
heilpflanze
Bei den Inhaltsstoffen der Ginkgo biloba Blätter muss man unterscheiden zwischen den Ginkgo Fertigpräparaten, die einen standardisierten Ginkgo biloba Blätter-Extrakt enthalten, und den unkontrollierten Ginkgo Produkten wie Ginkgotee oder einem Ginkgo-Blätterpulver.

Eine Abkochung aus Ginkgo biloba Samenkernen wie ihn die Traditionelle Chinesische Medizin verordnen würde enthält wiederum ein anderes Wirkstoffspektrum. Der Laie mag sich jetzt vielleicht die Haare raufen wenn er hört: ganz unterschiedliche Wirkstoffe und Wirkstoffmengen werden von dem eingenommen, der sich ein Ginkgo Präparat aus der Apotheke kauft und dem, der zum TCM Arzt geht oder in der Drogerie einkauft. Die Wirksamkeit und die Verträglichkeit der unkontrollierten und der kontrollierten Ginkgo Präparate können weit auseinander liegen.

Die Ginkgo biloba Blätter enthalten folgende wirksame Inhaltsstoffe (Wirkstoffe):

  • Aus der Gruppe der Flavonoide kommen Flavonglykoside und Biflavonoide in Ginkgo biloba Blättern vor.
  • Aus der Gruppe der Terpenlactone enthalten Ginkgo biloba Blätter die Diterpene namens Ginkgolid A, Ginkgolid B, Ginkgolid C, Ginkgolid J und Ginkgolid M und das wertvolle Sesquiterpen Bilabolid

Zudem enthalten Ginkgo biloba Blätter Gerüststoffe und andere Inhaltsstoffe, denen keine medizinische Wirkungen zugeschrieben werden:

  • Kohlenwasserstoffe wie Alkohole und Aldehyde
  • *alicyclische Säuren wie Shikimsäure, Chinasäure, Ascorbinsäure, Ginkgolsäure und viele andere.

Flavonoide sind medizinisch wirksam, sie kommen jedoch auch in vielen anderen Heilpflanzen vor.

Die Inhaltsstoffe die “Ginkgolide”

Die charakteristischen und einzigartigen Inhaltsstoffe von Ginkgo biloba sind deshalb die Ginkgolide und das Bilabolid, denn sie konnten bislang in keiner anderen Pflanze gefunden werden, ausser in den Blättern des Ginkgobaums. Den Ginkgoliden schreibt man die Durchblutungssteigerung zu. Ginkgolide wirken antioxidativ im Gehirn. Die bessere Verträglichkeit von Sauerstoffmangel im Gehirn wird auch den Ginkgoliden zugeordnet. Alte Menschen oder von Schlaganfall Betroffene profitieren davon. Die schützende und regenerative Wirkung auf die Gehirnzellen wird im Wesentlichen dem Bilabolid zugeschrieben.

Doch nicht nur wertvolle Inhaltsstoffe sind in Ginkgo biloba enthalten. Auch giftige und schädliche Wirkstoffe kommen vor! Ginkgo biloba Blätter und Samen enthalten die Ginkgolsäure, die Allergien auslösen und sogar Nerven und Erbgut schädigen kann.

Die Samenkerne

Ginkgo biloba Samenkerne enthalten neben anderen Inhaltsstoffen das 4-Methylpyridoxin. Heute weiß die Wissenschaft, dass man nicht mehr als 6-10 g Samenkerne pro Tag zu sich nehmen sollte, da sonst 4-Methylpyridoxin, das in den Ginkgo Samen enthalten ist das lebenswichtige Vitamin B6 hemmt. So mutet dem modernen Mediziner die Behandlung der Alkoholvergiftung mit Ginkgo Samen eher komisch an, da dieser weiss, dass durch Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit ein Vitamin B6 Mangel auftreten kann. Da wäre eine Abkochung aus Ginkgo biloba Samenkernen doch eher kontraproduktiv.

Interessant für den Wissenschaftler ist die traditionelle Anwendung von Ginkgo biloba Samen (und Ginkgo biloba Blättern) bei Tuberkulose. Denn Ginkgo biloba Blätter und noch mehr die Ginkgo Samenkerne enthalten Ginkgolsäure. Im Labor wurde experimentell nachgewiesen, dass Ginkgolsäure eine hemmende und abtötende Wirkung auf Mykobakterien, die Erreger der Tuberkulose hat. Als kleines Gedankenspiel sei hier notiert, dass moderne Tuberkulose Medikamente (Isoniazid) unter anderem einen Vitamin B6 Mangel als Nebenwirkung haben können.

Bei der Behandlung der Tuberkulose sollte man sich in jedem Fall auf die modernen Tuberkulose Medikamente verlassen und nicht mit Ginkgo biloba experimentieren. In modernen Ginkgo-Fertigpräparaten wurde zudem die Ginkgolsäure aufgrund ihrer gesundheitsschädigenden Wirkung weitgehend reduziert.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin