Herkunft des Ginkgo biloba

Ginkgo erobert sein Reich zurück
heilpflanze
Vor der Eiszeit gab es 20 verschiedene Ginkgo Gattungen in Asien, in Europa und in Amerika. Das Reich der Ginkgogewächse reichte im Alttertiär sogar bis Spitzbergen und Alaska. Ginkgo biloba ist ein eindrucksvolles Beispiel für Gebietsentfaltung und Gebietsschrumpfung einer Pflanze über Jahrmillionen hinweg. Während des Mesozoikums, dem Erdmittelalter vor 250 bis 60 Millionen Jahren wuchsen die Ginkgos unter Riesenfarnen und Dinosauriern. Während der Kreidezeit zog sich Ginkgo biloba nach Ostasien zurück. Als einziger Überlebender der Eiszeit ist er ein „lebendes Fossil“ wie Charles Darwin ihn taufte. Heute ist der Ginkgobaum eine Kulturpflanze und Heilpflanze und lebt eng mit dem Mensch zusammen.

Nach der Eiszeit, die Ginkgo biloba als einziger Vertreter seiner Gattung und der gesamten Ordnung der Ginkgogewächse überlebte war er nur noch in Asien beheimatet. Genauer gesagt in Südchina, denn wie wir aus Quellen der Literatur der Sung Dynastie im 11. Jahrhundert wissen, wuchs er damals im östlichen China. Dort, südlich des Jangtsekiang Flusses sei der Ginkgobaum wild anzutreffen. Heute noch gibt es wild wachsende Ginkgobäume in Südchina in den Provinzen Anhui und Zhejiang. Ganz sicher ist man  sich jedoch nicht, ob es tatsächliche Ginkgobäume aus Wildvorkommen sind, oder verwilderte Kulturpflanzen. Denn Ginkgo biloba wurde schon lange verehrt und als Tempelbaum kultiviert.

Kulturpflanze und Tempelbaum

Im 11. Jahrhundert kam er als Kulturpflanze und Tempelbaum über Korea nach Japan. Von dort wiederum reiste er über Samenraub nach Europa, in den Taschen holländischer Kaufleute. Eine unglaubliche Geschichte führte ihn so zurück nach Europa, denn damals war unter Todesstrafe in Japan die Ausfuhr von Pflanzensamen verboten!

Der erste Ginkgobaum wuchs circa 1730 in der Orangerie zu Utrecht, in Holland. So kam Ginkgo biloba, ein Baum fernöstlicher Herkunft als Kulturpflanze wieder nach Europa. Weil er sich als so resistent gegen Luftverschmutzung und Schädlinge erwies und noch dazu gut an das europäische Klima angepasst erschien wurde er in Europa, besonders in Deutschland nach weniger als hundert Jahren als Alleenbaum und Parkbaum hoch geschätzt. Er verdankt dies auch seiner einzigartigen Blattform – dem zweilappigen Ginkgoblatt, das ihn in der Dichtkunst berühmt machte. Schon 1784 kam er erstmals nach Amerika, wo er in Philadelphia kultiviert wurde.

Herkunft des Rohstoffs „Ginkgoblätter“

Der Ginkgobaum hat heute einen festen Platz im Heilpflanzenanbau, denn zur Leistungssteigerung bei Demenz, bei Durchblutungsstörungen und anderen „hirnorganischen“ Krankheiten erwies sich Ginkgoblätter-Extrakt, wie in Europa erst 1960 von deutschen Wissenschaftlern erforscht wurde, als wertvolles Heilmittel. Ginkgoblätter kommen als „Rohstoff Heilpflanze“ aus Asien, Frankreich und den USA. In Frankreich und den USA werden Ginkgobäume für diesen Zweck kultiviert. Wildsammlungen von Ginkgoblättern stammen aus China, Japan und Korea.

Vor der Eiszeit gab es Ginkgo Gattungen rund um die Welt – nach der Eiszeit ersteinmal nur in Teilen Asiens – so hat Ginkgo biloba nicht nur überlebt, sondern nach sage und schreibe 60 Millionen Jahren sein „Reich“ zurückerobert. Im 21. Jahrhundert findet man Ginkgo biloba erneut in Asien, Europa und Amerika.

Da kann man sich im Geist die kuriose Frage stellen: wer erforscht hier wen – wir den Ginkgo, oder der Ginkgobaum uns, die wir zeitgeschichtlich gerade mal etwa 100.000 Jahre alt sind?

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin