Ginkgo biloba – stark gegen Schädlinge

Überlebenskünstler Ginkgobaum

Millionen von Jahren hat Ginkgo biloba im Laufe der Evolution bereits hinter sich gebracht. Das „lebende Fossil“ gab es schon im Mesozoikum, dem Erdmittelalter, wo der Ginkgobaum mit vielen anderen Ginkgogewächsen unter Farnen und Dinosauriern groß wurde. Er überlebte die Eiszeit und muss seine ursprünglichen Schädlinge schlichtweg überlebt haben, denn diese starben mit den Dinosauriern aus. Der „Großvater-Enkel-Baum“ kann nicht nur bis zu 3000 Jahre alt werden, er ist auch ausgesprochen widerstandsfähig. Ob Pflanzenkrankheiten, Luftverschmutzung oder atomare Strahlung, Ginkgo biloba trotzt ihnen allen.

Ginkgo biloba und Schädlingsbefall

Viele Bäume haben einen natürlichen Feind, der sie insbesondere bedroht. Anders beim Ginkgo, für den es keine einzige Schädlingsart gibt, die für sich allein eine Bedrohung darstellt. Der Ginkgobaum weist allgemein eine hohe Widerstandskraft gegenüber Pflanzenkrankheiten auf. Auslöser von Pflanzenkrankheiten können Insekten, Pilze, Bakterien oder Viren sein. Diese Krankheitserreger schädigen in der Regel aber höchstens geschwächte oder junge Ginkgobäume. Auch Exemplare, die im Garten oder als Zimmerpflanzen gezogen werden, können von Schädlingen befallen werden. Doch hat dies ist meist falscher Pflege oder Vernachlässigung geschuldet. Denn der Baum ist tolerant, was die Standort- und Bodenfrage angeht und verträgt Frost gut. Warum ist Ginkgo biloba so resistent gegen Schädlinge?

Ginkgo biloba und Pilze

Pilze können dem typischen Fächerblatt von Ginkgo biloba kaum etwas anhaben, da die wachsartige Schutzschicht (Kutikula) das Wachstum der Pilzsporen hemmt, zusammen mit dem Molekül 2-Hexenal, das im Ginkgoblatt enthalten ist.

Ginkgo biloba und Bakterien

Bakterien und Viren werden vor allem durch den hohen Säuregrad der Blätter abgeschreckt, denn sie enthalten unter anderem Shikimsäure, Ascorbinsäure oder Ginkgolsäure, letztere ist auch in den Samen des Baumes enthalten. Für Ginkgolsäure wurde experimentell sogar eine Hemmung von Tuberkulosebakterien (Mycobacterium tuberculosis) nachgewiesen. Damit die Ginkgolsäure dem Menschen nicht schadet, wird sie im modernen Ginkgo-Blätter-Extrakt auf ein Minimum reduziert. Die Ginkgoblätter am Baum enthalten Ginkgolsäure und schützen sich gut gegen krankheitserregende Bakterien wie Pseudomonas phaseolicola, Bacillus pumilus oder Escherichia coli.

Ginkgo biloba und Insekten

Besonders widerstandsfähig ist Ginkgo biloba gegen jeglichen Insektenbefall. Im alten China und Japan wurden deshalb Ginkgoblätter als Lesezeichen verwendet. So schützte man Bücher vor Insektenlarven. Manche Insekten verhungern lieber, bevor sie Ginkgoblätter fressen. Denn die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe der Ginkgoblätter Ginkgolid A, Bilobalid und Ginkgolsäure sind für die meisten Insekten wie den Japankäfer zu sauer und hochgradig giftig.

Ginkgo biloba und die Wühlmaus

Junge Ginkgobäume haben Fressfeinde: Schnecken, Mäuse, Hasen und Rehe fressen Blätter, Wurzeln und Rinde, ein Leid der meisten jungen Bäume. Anscheinend vertragen Säugetiere wie auch der Mensch die Inhaltsstoffe von Ginkgo biloba besser als Insekten oder Keime: Was für die einen Lebewesen Gift ist, kann für die anderen Medizin sein. Vor allem die Wühlmaus kann dem Ginkgobaum gefährlich werden, denn sie knabbert gern an dessen Wurzelspitzen.

Ginkgo biloba und Umweltschutz

Die Widerstandsfähigkeit gegen Luftverschmutzung und Autoabgase hat Ginkgo biloba zu einem beliebten Alleenbaum gemacht. Deshalb kultivierte man in Städten wie Tokyo oder New York und vielen europäischen Metropolen Ginkgobäume an Straßenzügen und in Parkanlagen. Einer dieser Bäume überlebte sogar die Atomkatastrophe, die Hiroshima 1946 ereilte – aus seinem verkohlten Stamm trieb er bald neu aus: Ginkgo hält also sogar atomarer Strahlung stand. Als Überlebenskünstler wurde Ginkgo biloba zum Jahrtausendbaum gekürt. Er gilt im 21. Jahrhundert als Mahnmal für Frieden und Umweltschutz.

Geschrieben von Morgana Hack, Ärztin