Eigenschaften des Ginkgobaums

Ginkgo biloba – Laub- oder Nadelbaum?
heilpflanze

Botaniker waren sich lange uneins ob Ginkgo biloba Laubbaum oder Nadelbaum sei – heute zählt er in der Systematik großer Botanikbücher wie der „Strasburger“ zu den „Nacktsamern“, die neben den Klassen Ginkgo und Plamfarne die Klasse der Nadelbäume beinhalten, im Gegensatz zur Klasse der Laubbäume, die zu den „Bedecktsamern“ zählen. Doch ganz so einfach ist das nicht – denn Ginkgo hat den Laubbäumen ähnelnde Blätter, die im Herbst abgeworfen werden. Die Ginkgosamen sind denen der Nacktsamer zuzuordnen, die Bestäubung erfolgt durch den Wind und das Holz des Ginkgobaums erinnert an Koniferen, Nadelbäume zu denen zum Beispiel die Kiefer gehört. Ginkgo ist weder Nadel- noch Laubbaum, sondern einfach Ginkgobaum.

Die anerkannte botanische Systematik von Ginkgo biloba liest sich so:

  • Unterabteilung: Spermatophytina (Samenpflanzen)
  • Klasse: Ginkgopsida (Ginkgo)
  • Ordnung: Ginkgoales (Ginkgoartige)
  • Familie: Ginkgoaceae (Ginkgogewächse)
  • Gattung: Ginkgo
  • Art: Ginkgo biloba

Ginkgo biloba ist einziger überlebender Vertreter der Ginkgopsida, die im Mesozoikum, dem Erdzeitalter der Dinosaurier und Farne vor 250 Millionen Jahren circa 20 Ginkgo-Gattungen umfasste. Von ihnen hat Ginkgo biloba als einziger die darauffolgenden Eiszeiten überlebt.

Ginkgo biloba – ein stattlicher und starker Baum

Ginkgo biloba wächst als Baum bis zu 40 Meter hoch und kann extrem alt (3000 Jahre alt) werden. Er wächst „zweihäusig“ , was in der Fachsprache der Botanik bedeutet, dass es männliche und weibliche Ginkgobäume gibt. Weibliche Bäume haben eher eine ausladende Krone, männliche ähneln im Wuchs einer schlanken Säule. Ausgewachsene Ginkgobäume haben einen Stammdurchmesser von bis zu vier Metern. Die Borke des Ginkgobaums ist graubraun mit Längsrissen und schwer entflammbar – eine weitere Stärke des Ginkgo biloba, die ihn vor Waldbränden schützt. Sind die Wachstumsbedingungen für den Ginkgobaum nicht optimal so können nach circa 200 Jahren am Baum sogenannte „Chi-chi“ entstehen: Auswüchse die wie Zitzen aussehen. Die Baumwurzeln sind in jungen Jahren Pfahlwurzeln, die sich im Laufe der Jahre zu starken Seitenwurzeln entwickeln.

Ginkgoblätter – Entenfuß oder Mädchenhaar?

Ein unverwechselbares Merkmal des Ginkgo biloba sind seine zweilappigen Blätter aufgrund ihres mehr oder weniger tiefen Einschnittes in der Mitte des Ginkgoblatts. Dieses Merkmal verhalf dem Ginkgo zu seinem Artnamen „biloba“, was zweilappig bedeutet. Sein japanischer Name Icho = „Entenfußbaum“ bezieht sich auf diese Blattform, die auch dem Fußabdruck einer Ente ähnelt. Die Ginkgoblätter sind gabelnervig, eine Blattzeichnung die auch beim Frauenhaarfarn zu sehen ist.  Aus dieser Assoziation entstand der Name „maiden hair tree“ (englisch für Mädchenhaarbaum). Die Blattknospe entspringt als Kurzsprosse fächerartig einem schmalen und langem Stil, weshalb der Ginkgobaum auch Fächerblattbaum genannt wird. Die Blätter sind hellgrün und färben sich im Herbst goldgelb bevor sie abfallen.

Männliche und weibliche Ginkgoblüten

Viel Zeit vergeht bis ein Ginkgobaum geschlechtsreif ist – erst im Alter von 25-35 Jahren entstehen die Ginkgoblüten – je nach Geschlecht des Ginkgobaums gibt es auf einem Baum nur männliche oder weibliche Blüten. Eine Generation pflanzt ihn – die übernächste erntet ihn, deshalb bekam er auch den Namen „Großvater-Enkel Baum“.

Männliche Ginkgoblüten sind kätzchenförmig und gelb. Aus einer Blattachse wachsen diverse Staubblätter mit je zwei Pollensäcken und fallen bereits nach Bestäubung der weiblichen Blüten Mitte Mai wieder ab.

Die weibliche Ginkgoblüten hingegen bergen mindestens zwei Samenanlagen und haben die Form winziger Eicheln.

Beide männliche und weibliche Blüten sind recht unscheinbar, die sie über den Wind bestäubt werden und keine Insekten anlocken müssen.

Ginkgo biloba Samen – Silberaprikose

Gin (Silber) und Kyo (Aprikose) ist im japanischen die Silberaprikose und weiterer Name für Ginkgo biloba, weil der reif werdende Samen an eine Aprikose erinnert. Manchmal wird diese Samenanlage, die nicht die Frucht ist, auch mit einer Mirabelle verglichen. Die runden Samen enthalten einen essbaren Kern. Im gelben Samenmantel sind freie Fettsäuren enthalten. Nachdem sie vom Baum abfallen und am Boden zerfallen riechen sie unangenehm ranzig. Daher sind männliche Ginkgobäume als Parkbäume viel beliebter.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin