Welche Ginkgo-Präparate sollte man kaufen?

Ist Ginkgo drin, wo Ginkgo drauf steht?
Mittlerweile begegnet man auf dem Arzneimittelmarkt einer wahren Fülle an Ginkgo-Präparaten. Das ist sicher kein Zufall, denn Themen wie geistige Fitness im Alter und Demenz sind durch den Wandel der Altersstruktur in der Gesellschaft aktueller denn je. Präparate aus Ginkgo biloba gehören zu den meistgekauften Arznjeimitteln zur Selbstmedikation in Deutschland, doch halten die Hersteller, was sie versprechen? Hier erfahren Sie, was Sie beim Kauf von Ginkgo-Produkten wissen müssen und worauf sie achten sollten.

Pflanzliche Arzneimittel

Auch wenn der Markt an Ginkgo-Arznei unübersichtlich erscheint – alle in Deutschland erhältlichen pflanzlichen Arzneimittel unterliegen strengen Vorschriften. Ginkgo-Medikamente müssen gemäß dem Deutschen (DAB) und Europäischen Arzneibuch (PhEur) aus Ginkgo biloba-Trockenextrakt, also auf Basis getrockneter Blätter des Ginkgobaumes hergestellt werden. Darin ist auch folgende Norm für die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe enthalten:

  • 22 bis 27% Flavonglykoside
  • 5 bis 7% Terpenlactone (davon 2,8 bis 3,4% Ginkgolide A, B und C sowie 2,6 bis 3,2% Bilobalid)
  • weniger als 5 ppm (5 parts per million) Ginkgolsäuren

Diese Angaben müssen wie bei jedem Medikament in der Packungsbeilage angegeben werden, zudem das Anwendungsgebiet, die Gegenanzeigen und mögliche Nebenwirkungen. Während der Herstellung und bevor sie in den Handel kommen werden diese Ginkgo-Arzneimittel mehrstufig auf Keime, Verunreinigungen und Schadstoffe wie Schwermetalle getestet.

Nahrungsergänzungsmittel

Bei der Mehrzahl der auf dem Markt erhältlichen Ginkgo-Präparate handelt es sich nicht um pflanzliche Arzneimittel, denn im Unterschied zu diesen unterliegen Nahrungsergänzungsmittel nicht den oben genannten Qualitätskriterien für Medikamente. Dennoch dürfen sie als „Ginkgo-Tabletten“ oder „Ginkgo-Kapseln“ verkauft werden und enthalten meist „Ginkgo-Extrakt“. Sie sind in Drogerien, Supermärkten oder im Internet erhältlich und erscheinen auf den ersten Blick als Medikament. Prüfen Sie daher unbedingt, ob das Produkt die Kennzeichnung „pflanzliches Arzneimittel“ trägt. Außerdem dürfen Nahrungsergänzungsmittel nicht mit einem Anwendungshinweis für bestimmte Krankheiten beworben werden: Im Falle von Ginkgo dürfte sich das entsprechende Präparat nicht auf eine Wirkung bei Demenz berufen. Allerdings werden diese Vorgaben in der Realität oft ignoriert oder überlistet, indem etwa Stichworte wie „Gedächtnis“ in den Produktnamen aufgenommen werden.

Da Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo nicht gemäß dem offiziellen Arzneibuch hergestellt werden müssen, können Qualität und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe erheblich schwanken. Ob in diesen Ginkgo-Extrakten die schädlichen Ginkgolsäuren tatsächlich unter dem Grenzwert von 5 ppm liegen und die wertvollen medizinischen Inhaltsstoffe in ausreichender Konzentration enthalten sind, ist oft zweifelhaft und für den Verbraucher kaum zu überprüfen.

Eine Studie zu Ginkgo Präparaten

In einer Studie des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker wurden ginkgobasierte Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die pflanzlichen Ginkgo-Arzneimittel hielten dem Test stand, aber mehr als zwei Drittel der geprüften Nahrungsergänzungsmittel fielen gründlich durch. Nicht nur schwankte die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe erheblich. Es stellte sich ein begründeter Verdacht ein, dass diese Ginkgo-Präparate teilweise verfälscht waren, da in ihnen anteilig ein Extrakt des japanischen Schnurbaums (Sophora japonica) gefunden wurde.

Ein Trick, der bei einer groben Analyse nicht auffällt, denn Flavonglykoside sind auch im Ginkgo biloba enthalten. Was den „gepanschten“ Präparaten aber fehlt, sind ein Teil der wertvollen Ginkgolide und das Bilobalid – jene Inhaltsstoffe, die für die besondere Wirkung von Ginkgo biloba verantwortlich sind.

Ginkgo-Tees & Co

„Lieber selber sammeln oder doch ins Teegeschäft?“ fragt sich da mancher Verbraucher. Doch davon muss bei der Heilpflanze Ginkgo biloba abgeraten werden, denn Ginkgo-Blätter wie Ginkgo-Präparate aus Samen und Wurzeln enthalten schädliche Ginkgolsäuren. Diese sind krebserregend und können Allergien auslösen. Ebenso sei vor dem Kauf von Präparaten gewarnt, die statt Ginkgo-Trockenextrakt etwa „Ginkgo-Blattpulver“ oder ähnliches enthalten, auch hier können die giftigen Inhaltsstoffe enthalten sein.

Tipps beim Kauf von Ginkgo-Präparaten

In Drogerien oder Supermärkten ist es oft nicht einfach, die Ginkgo-Spreu vom Ginkgo-Weizen zu trennen. Der beste Tipp bei der Auswahl des richtigen Ginkgo-Präparats ist deshalb: Kaufen Sie es in der Apotheke und lassen Sie vom Apotheker beraten. Achten Sie unbedingt darauf, eindeutig ein Ginkgo-Präparat mit der Kennzeichnung „pflanzliches Arzneimittel“ zu erwerben.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin