Ginkgo Anwendung bei Tinnitus

Ein Wegweiser im Umgang mit Tinnitus

Allein in Deutschland fühlen sich 1,5 Millionen Menschen von Tinnitus, dem Ohrensausen, stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Manche nehmen Ohrgeräusche sogar als Bedrohung wahr. Umso schlimmer, dass viele Ärzte ihren Patienten kaum wissenschaftlich fundierte Ratschläge zur Behandlung von Tinnitus geben können. Es ist nicht einfach: das Tinnitus Heilmittel wurde noch nicht erfunden. Doch Behandlungsmöglichkeiten für Tinnitus bestehen durchaus: Ohrgeräusche sprechen auf eine Kombinationstherapie an – und der Ginkgoblätter-Extrakt konnte sich in der Praxis und in einigen Studien als wichtiger Baustein einer solchen Kombinationstherapie bewähren.

Ginkgo bei Tinnitus: Gedächtnis und Lernen

Pfeifende, klingelnde oder rauschende Geräusche werden als „Tinnitus“ im Ohr wahrgenommen. Diese Geräusche sind meist subjektiv und werden nur vom Betroffenen wahrgenommen. Subjektive Ohrgeräusche treten nach Hörsturz und Lärmtrauma, Schwerhörigkeit auf und allgemein bei Stress und im Rahmen von seelischen Krankheiten. Eine Vielzahl von Krankheiten wie Bluthochdruck, Blutarmut, Infektionskrankheiten im Ohr, Multiple Sklerose oder in seltenen Fällen Hirntumore können Tinnitus verursachen. Meist ist die Ursache harmlos, doch die Einschränkung der Lebensqualität und die damit verbundene seelische Belastung sollten auf keinen Fall unterschätzt werden.

Die Wirkung von Ginkgo bei Tinnitus führt man auf die im Ginkgoblätter-Extrakt enthaltenen Wirkstoffe wie die Ginkgolide A, B und C zurück, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern – auch im Innenohr.
Früher glaubte man, die Ursache für Tinnitus liege vorrangig in einer Durchblutungsstörung des Innenohrs. Heute weiß man, dass vor allem beim chronischen Tinnitus eine fehlerhafte Signalverarbeitung der Hörbahn im Gehirn vorliegt. Dieses falsche akustische Signal wird durch die negativen Gedanken rund um die Ohrgeräusche ständig verstärkt. Außerdem weiß man inzwischen, dass Ginkgo biloba weitaus wirksamer auf das Gehirn ist als bisher angenommen.

Ginkgo verbessert unter anderem Gedächtnisleistung und Lernfähigkeit. Man sollte deshalb nicht davon sprechen, Ginkgo biloba gegen Tinnitus anzuwenden, sondern vielmehr davon, Ginkgo biloba bei Tinnitus anwenden, um den Tinnitus wieder zu „verlernen“.

Ginkgo biloba-Anwendung: je früher, desto besser

Von akutem Tinnitus spricht man, wenn die Ohrgeräusche neu aufgetreten sind und bis zu sechs Wochen andauern. Bei chronischem Tinnitus besteht das Ohrensausen über Monate und Jahre hinweg. Ginkgo Blätter-Extrakt wird als Anwendung für beide Formen des Tinnitus empfohlen, doch sind die Erfolgsquoten bei Anwendung von Ginkgo biloba bedeutend höher, je kürzer der Tinnitus besteht.

Bei neu aufgetretenem Tinnitus sollte man deshalb möglichst rasch mit der Einnahme von Ginkgo biloba Blätter-Extrakt beginnen, ebenso bei Hörsturz. Als Infusionslösung steht der Extrakt heute leider nicht mehr zur Verfügung. Die Infusionstherapie bei akutem Tinnitus wird mit nebenwirkungsreichen Substanzen wie Kortison oder HES (Hydroxyethylstärke) durchgeführt und gilt nicht mehr als wissenschaftlich gesichert.

Bei Tinnitus empfiehlt sich die Einnahme von Ginkgo biloba-Blätter-Extrakt deshalb, weil dieser auf die wirksamen Flavonglykoside und Terpenlactone (Ginkgolide und Bilobalid) standardisiert ist. Die potentiell giftige Ginkgolsäure ist hingegen auf ein Minimum reduziert, dadurch ist der Extrakt weitgehend frei von Nebenwirkungen. Diesen Spezialextrakt erhält man in Form von Tropfen, Lösungen und Tabletten in der Apotheke. Bei Tinnitus empfiehlt sich die Einnahme von 120 bis 180 Milligramm Ginkgo biloba-Extrakt über mindestens acht Wochen. Bei chronischem Tinnitus gibt es in der Praxis durchaus positive Erfahrungen, wenn der Extrakt über mehrere Monate eingenommen wird.

Behandlung von Tinnitus mit Ginkgo biloba kombinieren

Jeder gute behandelnde Arzt empfiehlt heute die Kombinationstherapie bei Tinnitus. Ginkgo biloba-Blätter-Extrakt sollte immer in Kombination mit Entspannungsverfahren, gezieltem Stressabbau, Aufklärung über die Ursachen für Ohrgeräusche und Hörtherapie wie auch Musiktherapie angewandt werden. Manche Betroffene benötigen Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen um Ursachen für Tinnitus aufzudecken und zu bewältigen. Die besten Ergebnisse für die Anwendung von Ginkgo biloba bei Tinnitus liegen dann vor, wenn diese Elemente von Anfang an miteinander kombiniert werden. Denn der Betroffene sollte wissen, dass der Ginkgo-Extrakt Tinnitus meist nicht heilen und ihn nicht beseitigen wird. Unter Anwendung von Ginkgo biloba wird vielmehr die subjektiv empfundene Belastung und die Intensität der Ohrgeräusche gemindert. Dadurch können Betroffene Ohrgeräusche besser bewältigen und ihre Krankheit besser in ihr Leben integrieren.

Geschrieben von Morgana Hack, Ärztin