Ginkgo-Anwendung bei Schwindel

Durch Ginkgo im Gleichgewicht

Jeder kennt ihn, den Schwindel. Das Bewusstsein verliert sich in Drehgefühlen, der Boden scheint zu schwanken – die Vertigo raubt einem buchstäblich den Halt. Schwindel ist eine Störung des Gleichgewichts, meist harmlos und verschwindet rasch wieder. Gerade bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kommt Schwindel häufiger vor. Aber auch bei ernsten Erkrankungen, wie etwa des Gehirns oder Innenohrs, können Schwindelsymptome auftreten. Wie beim Tinnitus bietet sich bei vielen Arten von Schwindel Ginkgo biloba-Extrakt als pflanzliches Heilmittel an. Bei anhaltendem oder schwerem akuten Schwindel sollte aber zunächst die Ursache der Schwindelsymptome geklärt werden – erst die Diagnose macht die Krankheit behandelbar.

Drehschwindel, Lagerungsschwindel oder Schwankschwindel?

In der Medizin wird unter anderem zwischen folgenden Schwindeltypen unterschieden:

Bei Drehschwindel entsteht beim Betroffenen das Gefühl, als würde seine Umwelt buchstäblich um ihn kreisen, wie auf einer Karussellfahrt. Diese Art von Schwindel lässt sich leicht simulieren: Man drehe einfach einige Runden auf dem Bürostuhl. Doch so harmlos ist Drehschwindel leider nicht. Er tritt etwa bei Morbus Ménière auf, einer Erkrankung des Innenohrs mit anfallartigem Schwindel und Tinnitus, begleitet von zunehmender Schwerhörigkeit. Drehschwindel wird auch durch Entzündung des Hörnervs (Nervus vestibularis) verursacht und kann ferner bei Hirntumoren, Multipler Sklerose und bei bestimmten Migränearten auftreten.

Eine besondere Form des Drehschwindels ist der Lagerungsschwindel. Eigentlich ist er harmlos, bedeutet für Betroffene aber einen tiefen Einschnitt in den Alltag: Denn schon bei leichten Kopfdrehungen kommt es durch kleinste Einlagerungen (Otolithen, Ohrsteine) im Innenohr zum Gleichgewichtsverlust.Beim Schwankschwindel erlebt der Betroffene ein Schwanken des Bodens, ganz so als befinde er sich an Bord eines Schiffs. Diese Symptomatik wird häufig von Angst- und Panikattacken begleitet. Tatsächlich handelt es sich beim Schwankschwindel häufig um ein psychogenes Krankheitsbild, seine Ursachen sind also psychisch bedingt. Begleitend zu einer psychotherapeutischen Behandlung kommen hier angstlösende Medikamente, chemischer oder pflanzlicher Natur, zum Einsatz.Ungerichteter Schwindel hat Benommenheitsgefühle zur Folge und tritt als Nebensymptom einer ganzen Reihe von Erkrankungen auf: bei Bluthochdruck, Blutarmut, Herzrhythmusstörungen, Demenz und bei Erkrankungen der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, wie Arteriosklerose oder Schlaganfall.

Schwindel bei Durchblutungsstörungen

Ist der Schwindel aufgrund einer Durchblutungsstörung des Gehirns entstanden, sollte zuerst abgeklärt werden, ob etwa die Gefahr eines Schlaganfalls besteht oder eine Herzrhythmusstörung vorliegt. Schwere akute Schwindelattacken müssen sofort vom Notarzt versorgt werden.

Bei harmlosen oder abgeklärten Schwindel-Erkrankungen, die auf einer gestörten Durchblutung beruhen, kann Ginkgo biloba-Extrakt der Behandlung förderlich sein. Dieser fördert die Durchblutung kleinster Blutgefäße, die „Mikrozirkulation“, verbessert nachweislich die Fließeigenschaften des Blutes und wirkt stabilisierend auf die Gefäßwände. Dieser Wirkmechanismus kann bei vielen Arten der Vertigo hilfreich sein und auch Schwindel durch Arteriosklerose der kleinen Hirngefäße verringern, wie er bei vaskulärer Demenz auftritt.

Behandlung von Gleichgewichtsstörungen mit Ginkgo biloba

Liegt die Ursache für Schwindel im Gleichgewichtsorgan selbst, so gibt es ebenfalls Untersuchungen über die Wirksamkeit von Ginkgo biloba-Extrakt. So ließen sich etwa die Schwankamplituden bei Drehschwindel (vestibulärem Schwindel) durch Ginkgo-Anwendung verringern.

Bei Schwindel und Ohrensausen aufgrund von Morbus Ménière kann täglich 120 bis 160 mg Ginkgo biloba-Extrakt unterstützend über sechs bis acht Wochen eingenommen werden. Bei Lagerungsschwindel sollte vorrangig ein „Lagerungstraining“ mit dem Betroffenen durchgeführt werden. Dabei verändert der behandelnde Arzt mit ruckartigen Bewegungen die Position des Kopfes und damit des Innenohrs. Häufig lösen sich dadurch die verursachenden Ohrsteine (Otolithen) und die Symptome verschwinden. Unterstützend kann während des Lagerungstrainings täglich 120 bis 160 mg Ginkgo biloba-Extrakt eingenommen werden.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin