Ginkgo-Anwendung bei Durchblutungsstörungen der Beine

Kann Ginkgo die Schmerzen beim Gehen lindern?
Schon in den Sechzigerjahren entwickelte eine Arzneimittelfirma in Deutschland den Ginkgo biloba-Spezialextrakt. Erst viel später allerdings, im Rahmen der Demenzforschung, fiel der Fokus auf die Ginkgo-Wirkung auf die Gehirnzellen. Tatsächlich waren zunächst die Wirkpotenziale des Ginkgos bei Durchblutungsstörungen der Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Durchblutungsstörungen können an allen Blutgefäßen auftreten. Bei den peripheren Durchblutungsstörungen, also denjenigen, die nicht am Gehirn auftreten („peripher“ im Gegensatz zu „zentral“), sind die Blutgefäße der Beine am häufigsten betroffen. Als Arterien bezeichnet man Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen abtransportieren. Diese können von Arteriosklerose betroffen sein, der gefürchteten Gefäßwandverkalkung. Gerade die Beinarterien sind häufig betroffen, da sie sich nach unten sukzessive verdünnen. Leicht kann bei Gefäßwandverkalkung sogar ein kompletter Verschluss auftreten, doch bereits im Frühstadium verursacht die peripher arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) Schmerzen und schädigt das Bein.

Die Durchblutungsstörung der Beine gehört allerdings zu den „vermeidbaren“ Zivilisationskrankheiten. Am häufigsten wird die Gefäßwandverkalkung durch Tabakrauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Übergewicht und Diabetes (Zuckerkrankheit) verursacht.

Stadieneinteilung bei pAVK und der Nutzen von Ginkgo biloba

In Stadium l kann nur der Arzt per Ultraschall-Untersuchung die Engstelle und Gefäßwandverkalkung der Beinarterie(n) erkennen, Schmerzen treten in der Frühphase der Krankheit nicht auf. Betroffenen wird ein Gehtraining wie Nordic Walking und ein gesunder Lebensstil, Tabakrauchern wird der Rauchstopp empfohlen.

Stadium ll – Schaufensterkrankheit: Im zweiten Stadium treten bereits Schmerzen beim Gehen auf. Mit fortschreitendem Verschluss der Beinarterie nimmt die Gehfähigkeit ab. Menschen mit pAVK müssen unterwegs häufig pausieren, bevor sie schmerzfrei weitergehen können: darum spricht man auch von der „Schaufensterkrankheit“, wenn pAVK gemeint ist.

In Stadium lla beträgt die schmerzfreie Gehstrecke noch mehr als 200 Meter. Neben einem gesünderen Lebensstil und Gehtraining kann Ginkgo biloba-Extrakt als pflanzliches Medikament zum Einsatz kommen. Etliche Studien mit dem Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761 haben den Nutzen von Ginkgo biloba bei beginnender Schaufensterkrankheit erforscht. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich durchaus lohnen kann, pAVK mit Ginkgo biloba-Extrakt in Kombination mit einem Gehtraining zu behandeln. Die Schmerzen können nachlassen und die schmerzfreie Gehstrecke unter der Einnahme von Ginkgo-Tabletten wieder zunehmen – und die die Zwangspausen vor den Schaufenstern wieder kürzer werden.

In Stadium llb beträgt die schmerzfreie Gehstrecke weniger als 200 Meter. Ginkgo biloba-Extrakt könnte auch in dieser Phase noch hilfreich sein, doch in der Regel kommen andere (chemische) blutverdünnende Medikamente zum Einsatz.

In Stadium lll und lV ist die Verschlusskrankheit der Beine bereits soweit fortgeschritten, dass das „Raucherbein“ operiert, notfalls amputiert werden muss.

Ginkgo biloba für gesunden Blutfluss

Eine Umstellung von Ernährung und Lebensstil in Kombination mit einem frühzeitigen Einsatz von Ginkgo biloba kann die schlimmsten Folgen der pAVK (Schaufensterkrankheit) verhindern.

Die Wissenschaft liefert dafür folgende Erklärungsansätze:

Ginkgo biloba-Extrakt verbessert die Fließeigenschaften des Blutes: Die Inhaltsstoffe (Link zu Ginkgo Inhaltsstoffen) Ginkgolid A und B hemmen an den Blutgefäßen den plättchenaktivierenden Faktor (PAF) und verhindern dadurch eine Ansammlung von Blutplättchen, die das Blut „dick“ machen. Ginkgo biloba-Extrakt senkt zudem die Durchlässigkeit der kleinen Blutgefäße (Kapillaren), strafft die Gefäßwände und sorgt auf diese Weise dafür, dass die Flüssigkeit im Blutgefäß verbleibt und der Blutfluss verbessert wird.

Ferner schützt Ginkgo-Extrakt die roten Blutkörperchen vor dem Zerfall, da der Wirkstoff helfen kann, die Zellmembranen zu stabilisieren. Die antioxidativen Eigenschaften des Ginkgos sorgen außerdem dafür, dass freie Radikale abgebaut werden, die eine Gefäßverengung verstärken.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Ginkgo bei einem gestörten Blutfluss in den Beinen durchaus helfen kann. Der Wirkstoff kann dazu beitragen, dass das Blut wieder frei durch die Arterien fließt und Schmerzen gelindert werden.

Ginkgo-Präparate bei Durchblutungsstörung der Beine

Im zweiten Stadium der Krankheit ist die tägliche Einnahme von 120 bis 160 mg Ginkgo biloba-Blätter-Extrakt als Fertigpräparat (Link zu welche Ginkgo Präparate…) aus der Apotheke angeraten. Menschen, die zur Vorbeugung von Herzinfarkt oder Schlaganfall Blutverdünnungsmedikamente verordnet bekommen, sollten sich mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung setzen, bevor sie mit der zusätzlichen Einnahme von Ginkgo-Tabletten beginnen, da es unter Umständen zu Wechselwirkungen kommen könnte. Das Ginkgo-Präparat muss über mindestens sechs Wochen regelmäßig eingenommen werden – ein realistischer Zeitraum für ein erfolgreiches Gehtraining und eine Ernährungsumstellung auf gesunde, vitamin- und phytaminreiche Kost.

Geschrieben von © Morgana Hack, Ärztin